Nach der Saison 2018 wurde meine Yamaha XS 650 zerlegt und neu aufgebaut. Man kann es auch Restauration nennen. Nein, es wurde nicht alles neu, wie neu oder besser als neu. Wenn Du magst, kannst Du die Schritte im Blog verfolgen… Viel Spass.
Heute Teile zum Verzinken gebracht. Betrieb ist mini, hoffe, dass das für einen Kleinstauftrag passt…
Vorgestern sind Rahmen, Schwinge, div. Halterungen, Gabelbrücken, Kettenschutz, Lufi-Kästen, Batteriekasten, Lampentopf, Haupt- und Seitenständer, Bremsstange, Cockpitträger und Sitzbankgrundplatte zum Pulverbeschichter gegangen. Dort werden die Teile sandgestrahlt und beschichtet. Innengewinde habe ich mit Schrauben verschlossen. Außengewinde und Lagersitze werden beim Beschichter vor dem Brennen per Druckluft abgeblasen und somit vom Pulver befreit.
Das komplette Zerlegen der XS hat soweit keine Probleme bereitet. Allerdings mussten zur Vorbereitung für das Pulverbeschichten die alten Nadellager aus der Schwinge raus und auch die Lagersitze des Lenkkopflagers durften nicht drin bleiben. Da diese Lager auf Grund des Zustandes eh erneuert werden ist das auch ok. Die Nadellager bekam ich mit Hausmitteln ausgetrieben. Dazu diente eine starke U-Scheibe, die zweiseitig abgeflacht wurde. So konnte ich diese in die Schwinge einführen und die Lager mit einer geeigneten Verlängerung austreiben.
Die Lagersitze im Lenkkopf wehrten sich allerdings. Da hier auch schon Kegelrollenlager drin waren gab es eine Besonderheit. Diese Lagerschalen sind viel schmaler als original und innen nicht breiter als die Lagersitze. Es steht also kein Rand über an dem man ein Rohr o.ä. ansetzen könnte. Hier hat mir ein befreundeter „Kuhtreiber“ geholfen und ließ mich mit dem Japanrahmen in seine heiligen Hallen. Rick Wolf von der boxerbasis.de verfügt über passende Innenauszieher von Kukko. Damit ging es flott und problemlos. So war noch genug Zeit für einen Kaffee, danke für die Hilfe…
Den zahlreichen Forumsempfehlungen vor dem Neueinbau Schlitze innen in den Lenkkopf zu fräsen um später dort zum Ausschlagen ansetzen zu können werde ich nicht folgen. Das ist mir zu rustikal…
Ein gerissene Naht an einem Versteifungsblech habe ich noch schweißen lassen, nun kann der Kram zum Beschichten.
Das Mopped soll wieder „schön“ werden. Aber es wird kein „besser als neu“ Aufbau. Ich werde so viel alte Substanz erhalten wie möglich.
So sind z.B. die Alu Hochschulterfelgen massiv unter dem Lack vernarbt. Die müssten so stark geschliffen werden, dass zuviel Material abgetragen werden würde. Die Felgen dürfen aber bleiben und werden deswegen nicht optimal. Aluteile werden geschliffen und poliert. Aber nicht wie ein Badezimmerspiegel. Das finde ich für dieses Mopped übertrieben… Ob die Zylinder gestrahlt oder nur geputzt werden ist noch nicht entschieden.
Nun, die XS ist eine 1U3 in Cardinal Red, vermutlich von 1981 oder ´82. Ich habe sie seit Ende der 1990er Jahre, mein Vorbesitzer hat sie gerne draußen überwintern lassen und die Zeit ist nicht spurlos vorbei gegangen. Sie ist halt in die Jahre gekommen. Angelaufene Aluteile, teilweise pickeliger Chrom, von Sonne und übergelaufenem Benzin ausgeblichener Lack, stark verrostete Speichen, Riss in der Sitzbank und Rost an Rahmen und Anbauteilen.
Technisch war eigenlich alles ok. In 2016 hatte ich im Zuge einer „kleinen Inspektion“ den Motor schon mal offen. Es gab eine neue Führung und einen neuen Simmerring für die Kupplungsdruckstange, sonst war alles fein…
Ochsenaugen-Blinker, H4 Licht, Konis, ein etwas höherer Lenker, 14mm Bremspumpe und Stahlflex Bremsleitungen, der Rest ist original. Dieses Jahr kam noch ein hydraulischen Steuerkettespanner (HSKS) aus der schweizer Spezialschmiede dazu; ein geniales Teil, kein Lärm mehr im kalten Leerlauf…
Nun waren die Reifen am Ende und die Gelegenheit günstig um die rostigen Speichen zu tauschen. Doch was ist mit dem restlichen Zustand? Nach und nach anhübschen, lassen wie es ist oder Radikalkur?
Der Zufall half. Mitte November habe ich mich aus unserem Haus ausgesperrt und musste warten, bis jemand meiner Familie mit Schlüssel anrückte. Die Garage war aber offen und ich hatte Langeweile. Es dauerte nicht lange und es war nicht mehr viel dran an der XS. An diesem Tag entschied ich das Ding komplett zu zerlegen.